Noch wiegen sich hier keine Boote auf den Wellen des Mains. Auch die exklusiven Appartements mit Blick auf den Fluss sind bisher nur anhand einer Computersimulation zu betrachten. Auf der westlich der Friedensbrücke gelegenen Hafenmole liegt im Moment vor allem Bauschutt, nur einige Pfeiler deuten auf das ehrgeizige Bauprojekt "Mainside Westhafen" hin.

Insgesamt 8 fünfstöckige Gebäude mit Eigentumswohnungen sollen auf 30 Meter tief in den Boden gebohrten Stelzen stehen, die auf der Südseite auch über die Wasseroberfläche des Mains ragen. Wer neuer Eigentümer dieser Wohnungen wird, kann dann entweder nach Süden auf den Main und den gegenüberliegenden Theodor-Stern-Kai oder nach Norden auf das Hafenbecken und dahinter Frankfurts Skyline blicken. Falls gewünscht, lässt sich ein Stellplatz für das Auto sowie ein Liegeplatz für Jacht oder Jolle erwerben. Nur eines von vielen Bauprojekten sind die Wohnblöcke auf der schmalen Mole, die in den nächsten Jahren auf dem Areal des alten Westhafens gemeinsam von der Stadt und privaten Trägern verwirklicht werden sollen. Bis zum Jahr 2004 soll an gleicher Stelle ein neuer Stadtteil mit insgesamt 800 Wohnungen und Büroräumen für 3.500 Arbeitsplätze entstehen.
Injektionsarbeiten vom Hängegerüst
Am östlichen Ende des Hafenbeckens wird ein 99 Meter hoher Westhafen-Tower, ein gläserner Büroturm errichtet. Die alten Hallen, in denen nach der Gründung des Hafens im 19. Jahrhundert vor allem Tee, Kaffee oder Gewürze aus Übersee gelagert wurden, sind in diesem Jahr bereits nach und nach abgerissen worden, um Platz für Neubauten zu machen. Im Zuge der Erschließungsmaßnahmen wurde es erforderlich, die Kainmauer entlang des Hafenbeckens auf einer Länge von 550m zu sanieren. Untersuchungen über die vorhandene Kaimauer haben ergeben, dass Zerklüftungen bzw. Hohlräume in dieser oberhalb des Wasserspiegels vorhanden sind. Dabei ist die Mauer rund 8,80m hoch, besteht aus Sandstein und Bruchsteinmauerwerk, vermörtelt mit einem hydraulischen Kalkmörtel und ist auf einem etwa 1,10m dicken Stampfbetonfundament gegründet. Die Breite des Fundamentes beträgt ca. 4,30 m, die Mauer verjüngt sich auf 1,60 m. Somit kam nur eine vollflächige Injektion zur Verstärkung und damit Stabilisierung der Kaimauer in Frage.
Anmischen der Suspension
Eine besondere Herausforderung war es, zunächst mit den sehr beengten Platzverhältnissen zurecht zu kommen, da generell nur ein 2,50m breiter Streiten entlang der Kaimauer zur Verfügung stand. Aufgrund des eng terminierten Bauzeitenplanes waren mehrere Gewerke im Baufeld gleichzeitig tätig. Hier war Improvisationstalent gefragt und so entschloss man sich, die Arbeitsplattform größtenteils auf die Wasserseite zu verlegen. Dies geschah mittels eines Hängegerüstes und nach den Auflagen des Si-Ge-Koordinators umgebauten Pontons. Entsprechend den Voruntersuchungen wurden lnjektionsbohrungen von 1,50 m Länge im Raster in den Fugenbereichen eingebracht. Diese wurden mit Packern besetzt und die umliegenden Bereiche gegen auslaufendes lnjektionsmaterial abgedichtet.
Im Nachgang galt es, durch eine zweite Kolonne ebenfalls von der Wasserseite aus, über die zuvor gespülten lnjektionskanäle mit einer mineralischen Feinstsuspension alle erreichbaren Hohlräume und klüftigen Bereiche zu verfüllen. Etwas problematisch gestaltete sich jahreszeitlich bedingt auftretendes Hochwasser sowie Frostperioden, wodurch zusätzliche Maßnahmen wie angewärmtes Anmachwasser und Injektionsmörtel ergriffen werden mussten. Trotz dieser teilweise widrigen Umstände konnte der Fertigstellungstermin eingehalten werden.

Als Nachweis und Dokumentation zum Verpresserfolg erfolgten abschließend Bohrkernentnahmen und Wasserdurchlässigkeitsmessungen, welche die Wirksamkeit der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen belegen.
Thomas Schiel



