
Der Harmoniesaal wird für öffentliche Konzerte und Veranstaltungen genutzt; er ist vom Denkmalschutz als baugeschichtlich herausragendes Bauwerk eingestuft, so dass Sanierung und Reparatur des Dachstuhles mit besonderer Sorgfalt
von einer Fachfirma durchzuführen waren.
Ausgangssituation
Im Obergeschoss des Verbindungsbaues gelegen, weist der Harmoniesaal eine Größe von 10 x 15 Metern auf. Um an Raumhöhe zu gewinnen, ist er so konstruiert, dass keine Deckenbalken als Zerrbalken eingebaut wurden. Etwa 60 cm über der Traufe wurden dann zwei Kehlbalkenlagen als Zugverbindung zu den Sparren angeordnet. An der Unterkante der Kehlbalkenlage wurde ein Putzgewölbe angebracht. Die Konstruktion mit doppelter Kehlbalkenlage, die mit einer Schwalbenschwanz-Verbindung mit Holznägeln den Schub der Sparren aufnehmen sollte, hat nicht funktioniert, so dass die Saaldecke 20 cm durchhängt. Der First des Dachstuhles gab ebenfalls nach; er wurde bei einer früheren Sanierung mit Bohlen aufgedoppelt. Zudem wurde ein Betongesims als Widerlager auf die Mauerkrone betoniert. Dieser Betonkranz musste nun die Schubkräfte, die über die Sparren ankamen, aufnehmen und in die Außenwand ableiten. Das funktionierte — aber es wurde ungenügend berücksichtigt, dass die alten Hölzer (Schwellen, Stickbalken) weiterhin im Mauerwerk verblieben. Sie waren nun im Beton eingeschlossen und hatten keine Möglichkeit mehr, Feuchtigkeit abzugeben. So wurde das Holz im Mauerwerk zerstört. Folge: Der Dachstuhl verformte sich weiter. Das Staatliche Hochbauamt Amberg, Dienststelle Weiden, beschloss darauf, eine statische Sanierung durchzuführen. Nach einer öffentlichen Ausschreibung erhielt die Firma Lömpel Bautenschutz als spezialisiertes Fachunternehmen den Zuschlag zur Sanierung des Gebäudes.

Ausbessern des Gesimses und teilweises Erneuern nach altem Vorbild.

Ausbau des Betongesimses mit darunter befindlichen zerstörten
Holzbalken (am oberen Rand die übereinander liegende Kehlbalkenlage).
Sanierungsablauf
Im August 2000 wurde mit dem Abdecken der Traufe und dem Bau eines Schutzdaches begonnen. Es kam auf gesamter Länge des Gebäudes ein Betongesims zum Vorschein (Maße: 16-18cm stark und 60-70cm breit). Dieses Gesims wurde in kleine Stücke geschnitten und vorsichtig ausgebaut, so dass keine Schäden an Außenfassade und innerem Putzgewölbe entstanden. Außen mussten lediglich lose Putzteile und Verzierungen abgenommen werden. Unter dem Betongesims kamen dann die morschen Balken zum Vorschein. Sie wurden abschnittsweise ausgebaut. Außerdem war ein Hausschwammbefall im Zuge der statischen Holzsanierung zu bekämpfen. Danach konnten die Zimmerleute mit dem Einbau der Hölzer beginnen. Die neuen Schwellen sollten 20 cm höher liegen, so dass die alten Öffnungen ausgemauert werden mussten. Diese Ausmauerungen wurden mit Vollziegeln und Kalkmörtel ausgeführt. Darüber kam es zum Einbau neuer Doppelschwellen mit Stichbalken. Die Sparrenköpfe mussten mit einem stehenden Blatt durch die Wiederherstellung der alten Konstruktion nach Anweisung des Statikers ergänzt werden. Um eine Querverspannung zu erzielen, wurde zwischen den alten Kehlbalken eine Zugstange mit Rohrspannschloss, Durchmesser 20 mm, eingebaut. Nachdem die statische Holzsanierung abgeschlossen war, wurde über eine Ergänzung des Gesimses gesprochen. Diese Lösung fanden alle am Bau Beteiligten: Das alte Mauerwerk wurde bis zur Unterkante des ehemaligen Betongesimses mit Ziegelsteinen ergänzt. An die Stelle des alten Betongesimses trat eine Holzkonstruktion mit Putzträgerplatte. Vorteil: So wurde eine bessere Hinterlüftung der Traufe erreicht. Dachdecker-, Abbruch-, Schwammbekämpfungs-, Zimmerer-, Putz- und Anstricharbeiten wurden von einem Unternehmen ausgeführt. So konnte die Fertigstellung noch vor Weihnachten 2000 ermöglicht werden. Bereits vor den Weihnachtsfeiertagen stand der Harmoniesaal wieder für Konzerte zur Verfügung.
Harald Fick, Zimmerermeister
Lömpel Bautenschutz



