
Spätestens die Rissbildung in den Außenwänden, die sich in der Fassade deutlich abzeichneten, machte eine Sanierung der Klosterkirche dringend notwendig. Das Staatliche Hochbauamt Amberg beauftragte das Statikbüro ALS, die statischen und baulichen Mängel zu beurteilen. Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass die Fußpunkte der Deckenkonstruktion durch Feuchtigkeit zerstört worden waren. Das hatte zur Folge, dass sich die Dachlast teilweise auf die Gewölbekappen abstützt. Die Deckenbalken konnten die Zugkräfte nicht aufnehmen, da nur jeder vierte Deckenbalken als Durchlaufträger diente. Die anderen Deckenbalken waren nicht durchgehend, da der Gewölbescheitel höher ist als die Deckenbalkenlage. Durch die Verschiebung der Traufen nach außen saß die Hängesäule auf dem Gewölbe auf. Dieser Umstand wurde schon vor einigen Jahren erkannt. Als Gegenmaßnahme wurden zusätzliche Sprengwerke eingezogen, welche die Last auf die Mittelpfeiler der Kirche ableiten sollten. Für die neuen Sprengwerke war jedoch keine Längsaussteifung vorgesehen. Die neuen Bauteile wichen der Last aus und verdrehten sich. Die Folgen waren eine Verformung des Daches und Rissbildungen im Gewölbe. Um weitere Schäden zu vermeiden, beschloss das Staatliche Hochbauamt Amberg eine statische Sanierung des Dachstuhles.
Bauliche Vorbereitungen
Vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen wurde eine Hilfsabspannung eingebaut. die das Mauerwerk auf Spannung halten sollte. Sobald die Ziegel abgedeckt waren, würde deren Auflast auf dem Mauerwerk fehlen. Damit nicht noch größere Risse entstehen, wurden Balken mit einem Querschnitt von 20/20 cm an der Außenwand im oberen Bereich eingebaut und mittels Gewi-Zugstangen mit der anderen Kirchenseite verspannt. Nach dem Verspannen wurde die alte Dachdeckung abgenommen und entsorgt. Um auch bei schlechten Witterungsverhältnissen arbeiten zu können, deckte man die Dachfläche mit einer Gitterfolie ab und baute ein Notdach an der Traufe auf. Anschließend wurden die Fußbodenbretter ausgebaut und zwischengelagert — noch brauchbare Bretter sollten nach der Sanierung wieder eingebaut werden. Als nächste Arbeit stand an, ca. 42 t angefallenen Schutt aus den Gewölben und dem Traufbereich zu entsorgen. Nach Offenlegung des Daches konnten nun die Schäden an der Dachkonstruktion und an der Gewölbeoberfläche begutachtet werden. Insbesondere an der Traufe zeigten sich viele schadhafte Holzteile. Diese wurden durch Anlaschen und Anblatten in ihrem ursprünglichen Querschnitt ergänzt. Der Statiker entwickelte für die komplizierten Arbeiten ca. 30 verschiedene Details. Oberster Grundsatz war dabei, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten.
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Die äußere Schwelle des Dachstuhls war zerstört und musste ersetzt werden |
| Aufschieblinge mit Sattel tragen die Last der weit auskragenden Deckenbalken ab (links) Neuer Längsverband mit Blattstoß und Verblattung (rechts) |
Klostergeschichte
Fränkische Adlige schenkten im Jahre 1145 ihren Besitz in und um Speinshart dem Prämonstratenserorden. Dieser sollte dort Boden-, Geistes- und Seelenkultur ausüben. Zahlreiche Schenkungen an das Kloster ermöglichten, dass ein erster Holzbau rasch durch einen Steinbau ersetzt werden konnte. Die erste päpstliche Urkunde über das Kloster Speinshart stammt aus dem Jahre 1181. Im Norden des quadratischen Klosterbaus wurde noch im 1 2. Jahrhundert eine dreischiffige Basilika errichtet. 1313 wurde das Kloster erstmals durch den Spanischen Erbfolgekrieg in Mitleidenschaft gezogen. In der Folgezeit wurde das Kloster durch Feuer und Krieg teilweise zerstört. Wolfgang Dientzenhofer aus Amberg erbaute die heutige Klosterkirche. Der Bau wurde 1691 begonnen und 1695 vollendet. 1696 gab Abt Gottfried Blum den beiden italienischen Brüdern Carlo Domenico und Bartholomeo Luchese den Auftrag, die Stuckarbeiten auszuführen. Diese wunderschönen, sehenswerten Stuck- und Deckengemälde sind bis heute erhalten.
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Neuer Längsverband zwischen alten Hängepfosten |
| Über dem Chorbereich der Kirche wurde ein neues Sprengwerk eingebaut |
Feuchteschäden an der Schwelle
Die zerstörten Sparrenschwellen und Deckenbalken wurden vorsichtig ausgebaut und mit Blattstößen angesetzt. Die äußere Schwelle war größtenteils zerstört. Die neue Schwelle wurde in der Mitte aufgesägt, um die historische Auskämmung der Deckenbalken zu nutzen. Der obere Teil wurde mit Verkämmung eingebaut, der untere Teil darunter geschoben und mit PU-Leim und Stabdübeln verbunden. Die Schwelle wurde untermauert, um eine Kraftübertragung der Lasten ins Mauerwerk zu erreichen. Eine weitere Aufgabe der Schwelle ist, das weit auskragende Steingesims zu halten. Die Gesimssteine wurden während der Sanierungsarbeiten von einer Hilfskonstruktion gehalten. Da eine Lastübertragung vom Aufschiebling einer auf die vordere Kante des Gesimses nicht stattfinden darf, werden die Lasten teils durch einen Sparrenknecht, teils von einer zweiten Schwelle abgefangen. Im speziellen Fall der Klosterkirche kragen die Deckenbalken so weit aus, dass die Aufschieblinge mit einem Sattel die Last abtragen können. Das Gesims wurde mit zusätzlichen Stahlteilen mit Klebedübeln verankert.
Ausgerichtete Sprengwerke
Als Nächstes wurden die Längsverbände in die alte Dachkonstruktion eingezogen und die alten Sprengwerke ausgerichtet. Die Längsverbände sollen bewirken, dass sich die Sprengwerke nicht mehr horizontal verschieben können. Dies wurde dadurch erreicht, dass in der ersten Kehlbalkenlage auf beiden Seiten an den Hängepfosten ein neuer Verband mit Blattstoß und Verblattung ausgeführt wurde. Auch zwischen den alten Hängepfosten in der zweiten Kehlbalkenlage wurde ein neuer Längsverband eingefügt. Der Anschluss am Pfosten wurde mit einem Schlitzblech hergestellt. Die Kehlbalken wurden überkämmt und mit Stabdübeln verbolzt. Fehlende Streben im Sprengwerk wurden ergänzt und ausgekeilt.
Kirchengewölbe
Schwierigkeiten gab es bei der bestehenden Konstruktion im Chorbereich, da das Gewölbe hier höher in den Dachraum ragt als im Kirchenschiff, und genau hier läuft über dem Gewölbe der Grat bzw. befindet sich die Kehle. Für die Lastaufnahme musste ein neues Sprengwerk eingezogen werden. Über der Gewölbedecke wurden zusätzliche Stahlteile als Zugstangen eingebaut. Diese nehmen die horizontalen Kräfte auf und bewirken, dass der Dachstuhl die Außenwände nicht mehr nach außen schieben kann. Diese Maßnahme wurde sowohl im Chor als auch im Kirchenschiff ausgeführt. Über dem Eingangsbereich ergab sich eine andere Situation. Hier war keine Gewölbedecke eingebaut, sondern zwei übereinander liegende Balkenlagen. Eine der beiden dient dem Dach als Zugbalken mit Stichbalken zum Walm, die andere bildet die Deckenbalkenlage für die Stuckdecke mit dem Deckengemälde. Die Räume darüber, das zweite Obergeschoss, waren früher die Zimmer des Abtes und werden heute als Klosterbibliothek genutzt.
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Abhängungen zum Schutz der kostbaren historischen Stuckarbeiten und Deckengemälde |
Schutz historischer Kostbarkeiten
Während der Bauphase musste eine Stucksicherung angebracht werden. Zur Sicherheit der wertvollen alten Bücher in der Klosterbibliothek baute man ein Schutzgerüst auf. Die Kostbarkeiten konnten aufgrund der gleichzeitigen Sanierung des Klosters nicht ausgelagert werden.
Traufsanierung
Für die Traufsanierung in diesem Bereich wurden durch die Decke Abhängungen angebracht. Sie wurden ausgelegt mit Unterzügen und Querbalken. Darauf lagen BFU-Platten in Streifen von 20 cm, sodass der Restaurator mit Keilen und Schaumstoffplatten das Deckengemälde verkeilen konnte. Der Vorteil gegenüber einer Absprießung vom Boden ist, dass bei Erschütterung der Decke keine Reibung erfolgt und keine Druckstellen auftreten.
Behutsames Vorgehen
Eine weitere Schwierigkeit im Walmbereich der Klosterkirche waren zwei schräg verlaufende Kaminzüge. Sie treffen sich ca. 1 m unterhalb vom First und führen als ein Kaminkopf nach außen. Da diese durch das Verschieben des Dachstuhls Risse aufwiesen und teilweise schon abgerissen waren, war hier ein besonders behutsames Vorgehen erforderlich. Der Kamin musste so abgestützt werden, dass er von der alten Dachstuhlkonstruktion gelöst werden konnte. So war es möglich, den Dachstuhl wieder auszurichten. Ein Abriss der nicht mehr benötigten schrägen Kamine kam aus denkmalpflegerischen Gründen nicht infrage.
Tag des Offenen Denkmals
Die Sanierung war zum Tag des Offenen Denkmals am 9. September 2001 abgeschlossen. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, den Dachstuhl der Klosterkirche zu besichtigen.
Harald Fick, Arnstei






